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Ernst Heinkels Leben und Wirken für die Luftfahrt erstreckte sich über fünf Jahrzehnte deutscher Luftfahrtgeschichte (Kaiserreich bis BRD). Er hatte ihre Geschichte von den Pioniertagen bis zu den Anfängen der Weltraumfahrt miterlebt und mitgeprägt.
Heinkels Arbeit war wesentlich von seiner Herkunft und dem gesellschaftlichen Umfeld bestimmt.
Sein Wirken in der NS-Zeit spaltet die Betrachter der Person Ernst Heinkels bis heute, was die im Jahre 2002 organisierte Ausstellung "80 Jahre Ernst Heinkel Flugzeugwerke" des Fördervereins für Luft- und Raumfahrt M/V e. V. in Rostock deutlich machte. Mangelnde fundierte historische Kenntnisse sowie polemische Diskussionen vergifteten die politische Streitkultur um das Heinkelerbe in unserer Hansestadt. Auch die teilweise dem Zeitgeist geopferten Empfehlungen der "Heinkelkommission" waren umstritten.
Sicher ist nur, sich mit dem heutigen Kenntnisstand und Demokratieverständnis als Moralapostel aufzuführen ist genauso falsch, wie die Heroisierung oder Tabuisierung Heinkels in der Geschichte. Die Auseinandersetzung mit unserer Geschichte basiert auf einer alten Weisheit: "In der Auseinandersetzung mit jeder Vergangenheit ...müssen wir einer grundlegenden Wahrheit eingedenk sein: Diese Vergangenheit wusste nicht, was wir wissen."
Aus einfachen Verhältnisse kommend, hatte Ernst Heinkel als technischer Autodidakt in der relativ kurzen Zeit von zehn Jahren (1922 - 1932) den damals größten Industriebetrieb Mecklenburgs in Warnemünde Hohe Düne aufgebaut.
Als mittelständischer Unternehmer sah er seinen Betrieb nie als reines Flugzeugwerk sondern betrachtete es immer mit einem hohen Beschäftigungsgrad von Projektanten und Konstrukteuren als "Entwicklungswerk" für Flugzeuge.
Seine Fähigkeit, talentierte Mitarbeiter zu erkennen, sie konsequent zu fördern, aber auch zu fordern und sein ausgeprägtes Interesse an technischen Neuerungen, die nur auf eine Lösung warteten, sind die stärksten Eigenschaften des Industrieellen Heinkel gewesen.
Im Werk wurde er deshalb auch der "WA-GI-NE" genannt, ein Kürzel für seine allmorgendliche Frage "Was gibt`s Neues?", mit der er durch die Büros und Hallen seines Werkes ging.
Ludwig Bölkow, der vor seinem Studium 1932/1933 sein Praktikum bei der Firma Heinkel absolvierte, sagte 1982: "Er (Heinkel) hatte Phantasie, Gespür für die Zukunft, Gespür für die Menschen, die was konnten, sowie einen außerordentlichen Mut als Unternehmer."
Bölkow gründete1959 zusammen mit den Firmen Heinkel und Messerschmitt den Entwicklungsring Süd und später die Großfirma Messerschmitt-Bölkow-Blohm, die letztlich in den Großkonzern EADS mündete
Seine Unternehmensstrategie setzte Heinkel auch im 1934 entstandenen "Stammwerk" Rostock- Marienehe fort. Das Werk wurde mit seiner Forschung und Projektierung der wertvollste Unternehmensteil.
Mit dem Flug des ersten Raketenflugzeuges der Welt, der He 176, das mit einer regelbaren Flüssigkeitsrakete angetrieben und einem neuartigen Pilotenrettungssystem ausgerüstet war, wurde 1939 eine Tür für die noch visionäre Raumfahrt geöffnet.
Heinkels internationaler Ruf als Flugzeugkonstrukteur und Unternehmer erfährt mit dem Flug des ersten Strahlflugzeuges der Welt, der He 178 über der Rostocker Warnow , einen krönenden Höhepunkt.
Das von Hans v. Ohain entwickelte Strahltriebwerk läutete am 27.8.1939 das "Düsenzeitalter" ein. Diese epochale Luftfahrterfindung wird für immer mit Rostock und Mecklenburg verbunden sein.
Hans von Ohain urteilte später: "Ernst Heinkel war nicht nur einer der größten Flugzeugpioniere", sondern auch ein "Mann von ungeheurem technischen Weitblick, der der deutschen Strahlturbinen-Entwicklung eine führende Rolle in der Welt... gegeben hatte."
Zu den Pionierleistungen im Rostocker Heinkelwerk gehörten neben dem Flugzeugbau die Katapult- und Schleudersitzentwicklung, viele neue Fertigungsverfahren (Sprengnietung...), ständige Qualifizierung seiner Betriebsangehörigen, ein seit 1930 gut funktionierendes Vorschlagswesen, eine erstklassige Lehrlingsausbildung und eine imponierende soziale Betreuung der Werksangehörigen.
Die Zusammenarbeit der Ernst Heinkel Flugzeugwerke mit der Universität Rostock (Mathematik, Physik, Medizin) förderte die Aus- und Weiterbildung der Heinkelmitarbeiter und die Lehr- und Forschungstätigkeit der Universitätsangehörigen. Durch Ernst Heinkel wurde Rostock Großstadt und Hochtechnologiestandort.
Heinkel geriet mit seiner mittelständischen Firmenphilosophie aber immer mehr im Widerspruch zu den diktatorischen Erfordernissen einer staatlichen NS-Rüstungspolitik. Das ständig wachsenden Unternehmen, er ließ immer neue Werke und Tätigkeitsbereiche akquirieren, und das von Heinkel als positiv hervorgehobene "Heinkel-Tempo" stellten aus Sichtweise der NS- Wehrwirtschaftsführung eine schlecht koordinierte und kaum konzentrierte Entwicklungspolitik dar. Er wurde 1943 als Konzernchef weitgehend entmachtet. Die entstandene Ernst Heinkel AG mit rund 55.000 Mitarbeitern, zum Kriegsende vorwiegend aus Zwangsarbeitern und KZ-Häftlingen bestehend, belastet das Heinkelerbe bis heute.
Ernst Heinkel, der immer meinte, sich von der Politik fernhalten zu können, war ein Kind seiner Zeit. Zwei Weltkriege gehörten zu seinen Erfahrungen.
Den "unpolitischen " Menschen und die "wertfreie" Technik gibt es nicht.
Unter den Bedingungen globaler unkontrollierbarer Erfindungen und technischer Innovationen sind ethische Fragen heute zu einer Grundvoraussetzung für unsere Zukunftssicherung geworden. Ludwig Bölkow erkannte in den achtziger Jahren des
20. Jahrhunderts: "Wollen wir unsere Verpflichtungen gegenüber nach uns kommenden Generationen erfüllen, müssen wir auf die Gefahren achten, die... lebensbedrohend werden, um jetzt mit der Umstellung auf neue Techniken zu beginnen."
Die Lehre aus der Vergangenheit für unsere Gegenwart und Zukunft muss wohl lauten:
Nur in einer Demokratie sind die parlamentarischen Kontrollinstanzen vorhanden, um die Öffentlichkeit vor Gefahren gegen die Menschlichkeit zu warnen.
Weitere Informationen zu Heinkel (Bücher von Volker Koos):
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Ehemalige Heinkel-Mitarbeiter (für weitere Informationen auf das Bild klicken)

aktualisiert: 2008 ·